Hier kommen unsere TeilnehmerInnen zu Wort:

Rückblicke auf den "Angstkongress - Köln" im März 2017

ANGST IN UNSERER GESELLSCHAFT MIT BESONDERER BERÜCKSICHTIGUNG DER LAGE DER KINDER

www.angstkongresskoeln.de


Rückblick von I. Lustig und R. Rümmler, Bochum


Rückblick von Wiebke Meyer


Rückblick von Ilona E. Kuster, Karlsruhe




Die berufsbegleitende Ausbildung zur Waldorferzieherin – ein kleiner Einblick in das
dritte Ausbildungsjahr

 

FREIHEIT

Freiheit – ein Begriff der überall und immer wieder benutzt wird, sei es im Kleinen in der Familie oder im Großen auf der Weltbühne, als Legitimation für Kriege und Unterdrückung,

sei es die Freiheit auf politischer Ebene, die Pressefreiheit oder die innere Freiheit als Freiheit der Gedanken oder des Wollens.

 

Oder gibt es sie gar nicht, die Freiheit?

Sind wir nicht ständig Getriebene, anstatt selbst Akteur unser Selbst zu sein.

 

Der Begriff Freiheit ist einer dieser Begriffe, die, je länger man über sie nachdenkt, desto unklarer werden sie.

Hatte man zu Beginn noch eine vage Vorstellung was man oder frau unter dem Begriff Freiheit versteht, so verschwimmt diese Klarheit, je länger man sich damit beschäftigt.

 

Bin ich freier, wenn ich mehr Möglichkeiten habe, also statt zwischen zwei  verschiedenen Broten zu wählen mich unter dreißig Broten entscheiden kann? Oder ist nicht letztendlich eine Zunahme der Wahlmöglichkeiten mit einer Verminderung meiner Freiheit verbunden?

So nämlich fühle ich mich, wenn ich bei Kaufland, Walmarkt oder ähnlichen Supermarktketten mein Brot kaufen möchte und ich eine Auswahl zwischen Regalwänden von mehreren Metern treffen muss. Ich fühle mich überfordert, unfrei und gestresst.

 

Schon Steiner schreibt 1918 in seinem Buch über die Philosophie der Freiheit, dass die Freiheit nicht darin bestehen könnte, von zwei möglichen Handlungen ganz nach Belieben die eine oder andere zu wählen.

Und auch in der Biographie von Nelson Mandela schreibt dieser im Gefängnis, dass die Begründung für das Tun in Freiheit bei einem selber liegt. Sich nicht als Opfer zu sehen, sondern durch Reflexion (Steiner würde hier wohl vom Denken sprechen) die Fäden selbst in der Hand zu halten.

Und nicht alles ,was unfrei ist, ist schlecht, es gibt gewisse Notwendigkeiten.

 

Und wie sieht es mit der Freiheit in der Pädagogik aus? Erziehung zur Freiheit als Erziehungsmaxime würden viele befürworten, aber schon bei der Frage nach dem Weg dorthin gibt es viele unterschiedliche Antworten. Partizipation und Mitbestimmung sind die zentralen Begriffe in der heutigen Diskussion um Erziehung von Kindern im Kindergartenalter. Und was heißt das jetzt genau? Nur noch Freispiel, Frühstücksbüfett und ein Kinderparlament in den U3-Gruppen?

 

Und was hat das jetzt alles mit der berufsbegleitenden Ausbildung zur Waldorferzieherin/ zum Waldorferzieher zu tun?

In der Zeit vom 04. bis 08. Mai 2016 haben sich die AbsolventInnen des Kurses J 14 mit der Frage der Freiheit auf unterschiedliche Art in Blankenheim auseinandergesetzt. Häufig hat es mit einem Impuls am Morgen begonnen, der dann bei der anschließenden Wanderung in der schönen Eifel alleine oder in Kleingruppen vertieft wurde.

Am Nachmittag haben wir künstlerisch beim Nassfilzen mit Frauke das Thema der Freiheit ergriffen und am Abend in kleiner Runde diskutiert.

 

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank allen Organisatoren: Anne Marisch, Yvonne Rausch, Frauke Kunze und Jelle van de Meulen

 

Jörg Garstka



Fortbildung „Leitungsaufgaben mit Wolfgang Nährig und Susanna Steinhausen“

 

Hellsichtig werden?

 

In unserer Arbeit im Waldorfkindergarten kommen wir immer wieder an Grenzen: Einerseits Grenzen in der Umsetzung der an uns gestellten Anforderungen, weil die äußeren Bedingungen einen Rahmen schaffen, der zunehmend wenig Spielraum lässt. Mehr noch als das Arbeitspensum aber belastet es, wenn es im Kindergarten „knallt“. Wenn Kollegen sich streiten, wenn der Vorstand unmögliche Forderungen stellt, wenn die Mitarbeiter zu wenig Verantwortung zeigen, Entscheidungsprozesse zu lange dauern oder...oder...

Was für ein Glück ist es dann, Wolfgang Nährig zu begegnen, der in kürzester Zeit Licht in die verworrensten Situationen bringt. In der wunderbaren Fortbildung „Einen Kindergarten leiten“ im Seminar für Waldorfpädagogik in Köln, die Wolfgang Nährig zusammen mit Susanna Steinhausen aus Wien leitete, lernten Kindergartenleitungen, hellsichtig zu werden. Das meint, nach Wolfgang Nährigs Definition, im Hellen sehen zu können. Durch klare Fragen und waches Interesse klären sich Prozesse und indem wir lernen, Zusammenhänge zu erkennen, schrumpfen die Probleme. In der Fortbildung übten wir immer wieder, die Gesetze der Kommunikation zu verstehen und uns in die Lage zu versetzen, bewusst Kommunikationsprozesse zu steuern. Ob ein Redebeitrag Meinungen und Einschätzungen transportiert oder ob nur Fakten benannt werden, macht einen großen Unterschied. Auf der Ebene der Fakten lange zu verbleiben ist eine Hilfe, wenn es gilt, schwierige Problemlagen ernsthaft und konsequent zu betrachten. Wolfgang Nährig und Susanna Steinhausen lehren, nicht zurückzuschrecken vor dem, was ist, sondern hinzuschauen. 

Es war eine kurzweilige Fortbildung. Die Wochenenden waren aufeinander aufgebaut und man mochte keinen Moment verpassen. Jeder Workshop war spannend und hilfreich, um Erkenntnisse zu gewinnen, die im Alltag eine enorme Bereicherung sind. Wolfgang Nährigs Sprüche würzten das Ganze mit einer fröhlichen und frechen Note. 

Um die Prozesse, die im Denken und in den Übungenvollzogen wurden aus dem Kopf zu holen und in Verbindung zu bringen mit dem ganzen Menschen, vollendete Susanna Steinhausen das Erleben mit ausgewählten Übungen und Spiel. Ihre Bewegungsanregungen erforderten einerseits große Bereitschaft, ungewöhnliche Spielregeln anzunehmen und beschenkte alle Mitspieler dann mit dem beglückenden Erleben, dass es möglich ist, wirkliche Begegnung im Mittelpunkt des Kreises zu haben, solidarisch selbstbewusst den eigenen Weg gehen zu lernen ohne zu versäumen, alle anderen mit zu nehmen. Alle Übungen sind frei und entspringen der Idee, dass zum Menschsein das freie Spiel wesentlich dazugehört. Spielerisch ernsthaft, konzentriert und leicht – so entstanden Standbilder und Chöre und brachten eine Heiterkeit in die Arbeit, die nur mit dem Spiel erreicht werden kann. 

Beide Referenten trugen die Gruppe mit ihrer wohlwollenden Fürsorge über viele Klippen. Jede Einzelne von uns durchlebte ihre individuellen Prozesse, die oft schmerzvoll waren und am Ende schließlich befreiend in der Gruppe oder im Einzelcoaching bearbeitet wurden. So konnten wir voneinander lernen, denn die Probleme der Einzelnen sind oft nicht so sehr verschieden von denen der anderen. Mit der Klarheit kam auch eine Gelassenheit und Zuversicht zu jeder Teilnehmerin. Jeder Workshop war großartig und ließ uns alle wachsen.

Wir haben geübt, ungewöhnliche Fragen zu stellen, aufmerksam hinzuhören und die eigenen Anteile an schwierigen Situationen zu erkennen. Als ungemein spannend erwies es sich z.B., sich Gedanken über das Temperament der Kollegen zu machen, die mir das Leben vielleicht schwer machen. Oder meine eigenen inneren und äußeren Bedingungen nüchtern anzuschauen. Oder vom Alter oder Sternzeichen her auf die Menschen, die am Konflikt beteiligt sind, zu schauen. Immer wieder wurden wir aufgerufen, zu Ende zu denken, genau wahrzunehmen um am Ende hellsichtig zu sein, d.h. Im Hellen sehen zu können.

 

Maria Keuck

 

 

Fortbildung „Intuitive Pädagogik“ mit Pär Ahlbom, Merete Loevlie, Dieter Schwartz

Die Übungen in dieser Fortbildung „können Erwachsenen helfen, die Aufmerksamkeit auf die eigenen Tätigkeiten zu lenken. Gleichzeitig können sie dazu befähigen, sich auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Kinder zu richten: Aufmerksamkeit und Beweglichkeit können so geschult werden, dass auch in schwierigen und überraschenden Situationen kreativ gehandelt werden kann.“ (Pär Ahlbom)

 

Rückmeldung von Ilona E. Kuster

Zum Wochenende bin ich mit einem 10jährigen Jungen angereist. Von Anfang bis Ende fühlten wir uns sehr gut aufgehoben. Es waren einige andere Kinder anwesend, und schnell wurden Kontakte geknüpft und man kam ins Spiel. Wir waren sowohl bei Pär Ahlbom als auch bei Merete Lövlie im Kurs.

Als sehr wohltuend habe ich empfunden, dass wir überall mit dabei sein durften, beobachtend, teilnehmend – aber niemals unter Druck gesetzt wurden, mitmachen zu müssen, und uns gleichwohl eingeladen fühlen konnten.

So kam es zu wirklich spielerischen Begegnungen bei Pär, und mir wurde dabei auch klarer, dass die stete Übung des Spielens eine ernste und dabei freudige Angelegenheit ist, die vor allem den Erwachsenen unter den Spielenden abverlangt, sich frei machen zu können von Ängsten und vom das Spiel lähmenden Erwartungsdruck.

Mit Begeisterung erfüllen mich die tief greifenden Übungen Pär Alboms, die von seinen seinen beruhigend deutlichen Erklärungen begleitet sind. Für den Zehnjährigen war wohl die interessanteste Erfahrung, dass beim Ruhen (Liegen) sehr viel gelernt werden kann.

Im Malkurs gefiel mir besonders die schöne Art Meretes, möglichst dicht an der Voraussetzungslosigkeit in den Umgang mit Farben und Formen (Formaten) zu kommen. Merete verhilft durch die Schaffung einer Atmosphäre der aufmerksamen Absichtslosigkeit dem ängstlichen Ich ins Dasein.

Mein Mut wächst. Meine Geduld mit den Tatsachen von Gewordenheiten wächst. Von Mal zu Mal lasse ich im Innern mehr Berührung durch Farbewirkungen zu. Ich bin gespannt auf das, was noch folgen mag …

Schließlich bleibt mir noch, zu danken für das Wunderbare der Begegnungen von Menschen, die sich einlassen.

Ilona E. Kuster


Bericht von Heike Wagener

„Bei der Fortbildung „Intuitive Pädagogik“ mit Pär Ahlbom und den anderen DozentInnen Merete Loevlie und Dieter Schwartz erlebe ich seit meiner Teilnahme vor einigen Jahren, dass verschiedene Wege zum gleichen Ziel führen. Alle Übungen – gleich ob Bewegungs- und Spielübungen mit Pär, das Malen bei Merete oder die Gespräche mit Dieter – lassen mich lernen an die eigenen Grenzen zu stoßen, diese aber in einer freien Weise akzeptieren zu lernen. Mir wird nichts übergestülpt, in einem geschützten Raum kann ich mich selbst wahrnehmen und das Risiko mit mir eingehen, meine eigenen Grenzen austesten zu können. Oftmals erkenne ich, dass meine Gedankenbilder „alt“ sind, daraus entwickelt sich der Wunsch meinen Horizont zu erweitern. Ich werde in den Stunden von allen drei DozentInnen angeregt aus einer „Istsituation“ heraus zu handeln und für das „Eigene“ verantwortlich zu sein. Es gibt keine spektakulären Trainingsübungen. sondern ich erkenne, dass ich aufkommende Konflikte in mir lösen muss. Nicht den anderen, das Gegenüber, kann ich ändern, sondern nur mich.

Durch gemeinsame Gespräche und den Austausch mit den anderen Teilnehmerinnen erlebe ich, dass Begegnung „Spaß“ machen kann und Stärkung gibt. Es entwickeln sich manchmal sogar gemeinsam „Visionen“ für die Zukunft – eine Zukunft ohne Bewertung, sondern wo wir den Kindern und uns selbst mit innerer Freude begegnen können.

Mein Akku ist voll, wenn ich wieder nach Hause fahre“.

Heike Wagener

 

Bericht von Horst Link

„Die Übungen führen mich spielerisch auf immer neuen Wegen an meine inneren Grenzen. Was und wie mache ich es, wenn etwas neues, Grenzen erweiterndes mir begegnet? Ich erlebe die erlernten Muster meiner Erfahrungen im Fühlen und Denken und mein Umgang damit. Und ich erlebe was nötig ist, um diese Muster zu verlassen. Ich bin feinfühliger zu mir und meinen Mitmenschen geworden. Es entstand aus dem TUN eine feine Grundlage der Empfindung, was ich, was ein Mensch zum werden benötigt“.

Horst Link