"Spirituelle Aspekte für Erziehung und Entwicklung"

Fortbildung mit Prof.Dr. Dr. W.U. Klünker


Bericht der Teilnehmerin Sabine Bender über die Fortbildung mit Prof. Dr. Dr. Klünker

vom 30.11. bis 01.12.2018.

 

Wolf-Ulrich Klünker begleitet mich schon seit fast 20 Jahren in meiner Entwicklung. Sein Buch „Selbsterkenntnis – Selbstentwicklung“ war eines der für mich tief beeindruckendsten Schriften der anthroposophischen Sekundärliteratur. Ihm verdanke ich eine Verdeutlichung der seelisch relevanten Denkrichtung Rudolf Steiners. Einfach, prägnant, tiefgreifend, nachvollziehbar und somit für mich äußerst hilfreich.

 

Umso freudiger erwartete ich das Seminar „Spirituelle Aspekte von Erziehung und Weiterentwicklung“. Klünker in einem ganzen Seminar erleben!!

 

Also setzte ich mich am Freitag nach meiner Arbeit im Waldorfkindergarten Lüdenscheid, im Sauerland, in mein kleines Auto und fuhr auf der Autobahn Richtung Köln. Dort an der Schule, ich war da zum ersten Mal, lernte ich die Seminarleiterin Anne Marisch kennen, sie stand am Straßenrand und wartete. Nachdem ich zum zweiten Mal an ihr vorbeilief, sprach sie mich an und verwickelte mich in ein Gespräch. Sie würde auf  Herrn Klünker warten. Ob ich mit ihr warten würde. Na klar, sagte ich. Ich erzählte ihr auch, wie sehr ich mich auf ihn als Referent freue. Wie sehr ich ihn als Autor schätze. Wir hatten sehr viel Spaß beim Warten und Erzählen. Da kam er dann. Und wir gingen alle in den Vortragsraum.

 

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Auch hier seine Ausführungen klar, deutlich, prägnant, nachvollziehbar. Unaufgeregt, mit klaren Gedanken zeichnet Klünker ein Menschenbild, das deutlich aus Steiners allg. Menschenkunde aufsteigt. Man spürte auch deutlich seine eigene gedankliche Forschungen, die dadurch gewonnen Erkenntnisse, alles durchdacht, durchgearbeitet, Steiner als Hinweise, als Quellen zitiert, aber auch viele Studien, die auf eine Zeit vor Steiner hinwiesen, die auch in die Anthroposophie einflossen.

 

Im Raume stand, wie würde heute im 21. Jahrhundert die Anthroposophie aussehen, wenn Steiner heute wirken würde. Oder eher, welchen Auftrag haben wir, heute im 21. Jahrhundert, die Anthroposophie aus unserem Denken heraus neu zu greifen. Die Zukunft aus der Vergangenheit heraus in der Gegenwart zu initiieren. Von uns als Menschen, die aus der Arbeit mit der Anthroposophie geworden sind.

 

Was ich gelernt habe, ist, dass ich mich mehr an die Leitsätze Steiners halte. Da das das Modernste ist, was uns Steiner gegeben hat. Komischerweise hatte ich grad vor ein paar Wochen die Leitsätze nach gefühlt 20 Jahren mal wieder aus dem Regal gezogen, und darin studiert.

 

Es war auf jeden Fall ein sehr produktives, gehaltvolles, gedanklich erlebnisreiches, erfülltes wunderbares Seminar. Vielen Dank an die Organisatoren! Ich werde wieder kommen, aus dem Sauerland! Versprochen!

Sabine Bender

 

 

 


Fortbildung mit Dr. Hartwig Volbehr, 02./03. November 2018

Seelische Zeitphänomene besser verstehen


Nach der Fortbildung „Ich-Stärkung und Ich-Präsenz in Theorie und Praxis“ zu Beginn des Jahres 2018 hielt Herrn Dr. Hartwig Volbehr - Psychiater und Psychotherapeut – im November 2018 unter dem Thema „Seelische Zeitphänomene besser verstehen! Wie umgehen mit ADHS, Borderline-Syndrom und Identitätsstörungen?“ ein weiteres Seminar ab.

 

Es wurde deutlich und verständlich aufgezeigt, dass viele Krankheitsbilder – Neurosen, Borderline, Psychosen – ihren Charakter im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte veränderten. Aufmerksam wahrgenommen ist zu bemerken, dass diese Krankheitsbilder sich immer individueller ausprägen. Dieses Phänomen des Individueller-Werdens erschwert das Verständnis und somit auch den Zugang zu den Menschen - eine adäquate Hilfestellung wird komplexer. Im Rahmen der Fortbildung wurde den Teilnehmer*innen ermöglicht einen bewussteren Umgang mit Menschen, denen diese Krankheitsbilder zugeordnet werden, zu finden. Die Betrachtungen bezogen sich jedoch nicht nur auf erwachsene Menschen, sondern auch auf Kinder, bei denen die Ausbildung einer Pathologie noch nicht in ihrer ganzen Form sichtbar wird.

 

Im weiteren Verlauf des Seminars wurde aufgezeigt, dass Denken, Fühlen und Wollen in der heutigen Menschheitsentwicklungsstufe auseinander fallen. Daraus ergibt sich manch Unverstandenes, was uns sehr bedrücken kann. Es wird immer erforderlicher, unsere Aufmerksamkeit zu schulen dieser Belastung entgegen zu wirken und die Voraussetzung zu schaffen, die Welt besser verstehen zu können.

 

Aufmerksamkeit ist „frei“, wenn sie von uns selbst – von unserem Ich – gelenkt wird. Es wurde die Frage aufgeworfen, wie wir unsere Aufmerksamkeit intensivieren können. Dazu ist – laut Dr. Volbehr - notwendig, dass wir ein neues „Organ“ für die eigene Aufmerksamkeit lernen zu entwickeln. Alle Schulungswege, die wir kennen – von der Meditation über die Seelen- und Nebenübungen bis zur abendlichen Rückschau und der kühlewindschen „Moment mal“ Übung – bieten eine Möglichkeit dazu. Jeder einzelne von uns ist gefordert für sich selbst einen eigenen persönlichen Weg zu finden und zu gehen. Der Weg  des Erkennens scheint notwendiger als wir bis jetzt ahnen. Es ist unsere Aufgabe aktiv vom Geschöpf zum Schöpfer und zum Mitgestalter der Welt zu werden. Auch Verständnis - gerade für die jüngere Generation, unsere Kinder - zu entwickeln. Bei vielen in den letzten Jahren geborenen Kindern ist zu beobachten, dass der  Ich-Einschlag bedeutend früher als in den Generationen vor ihnen stattfindet. Somit werden Eltern und Pädagogen von ihren Kindern im verstärkten Maße herausgefordert.

 

Zum Abschluss der Fortbildung kam die Sprache auf Kinder mit sogenanntem ADHS. Diese Kinder werden in ihrer Aufmerksamkeit von der Welt, von außen, zu sehr gesteuert. Umso mehr sollten diese Kinder von uns im Bewusstsein gehalten werden, unser „Ich“ ihnen als Unterstützung zur Verfügung gestellt werden.

 

Auch wurde in dieser Fortbildung noch einmal die zentrale Bedeutung menschlicher Begegnung betont, was eine verstärkte Bewusstseinsschulung erforderlich macht.

 

Wir freuen uns auf die nächste Begegnung.

A.M.

 


         

                                                           Järna

 

                                                 24.05.2017 – 29.05.2017

                                                 Unsere Abschlussfahrt (Kurs J15)

         

 

          „Die Gemeinschaft bildet sich nicht, sie ist bereits da. Wir müssen sie nur pflegen.“

                                                                                                                      Pär Ahlbom

 

 

Unsere Abschlussfahrt stand vor der Tür. Also fast vor der Tür. Zunächst dachten wir an Dornach, was wahrscheinlich auf der Hand liegt, für eine Abschlussfahrt von einem Seminar für Waldorferzieher/Innen.

 

Doch wir hatten im Laufe unserer Weiterbildung Pär Ahlbom kennen gelernt, und mit ihm die Eurythmie, die intuitive Pädagogik und seine zeitgemäße Art, die Anthroposophie zu betrachten. Nein- nicht Dornach. Wir wollen nach Järna. Dort hat Pär die Solvikskolan mit gegründet. Eine Schule, die nach waldorfpädagogischen Grundsätzen unterrichtet. Zu eigensinnig, was dort so passiert - die Schule wurde von der Liste der Waldorfschulen gestrichen - jedoch später auf Wunsch vieler anderer Waldorfschulen wieder aufgenommen. Nun wollten wir uns selbst ein Bild davon machen, also: Auf nach Schweden!

 

Jedes Grüppchen mit seinem Flieger und Anne mit dem Auto, den Lebensmitteln, den Schlafsäcken usw., reisten wir also am 24.05.2017 in Järna an.

 

Allein das war ein riesiges Abenteuer, von Stockholm aus mit der Bahn, und dann mit dem Bus (oh Gott- wann fährt eigentlich der letzte...?), und dann zu Fuß durch den Wald,in der Dämmerung, bis irgendwo ein Lichtlein zu sehen war. Sicher konnten wir uns nicht sein: Ist es die Schule? Mitten im Wald? Und ja, sie war es.

 

Eine Jede von uns und Sven (der Quotenmann) richteten das Lager: Isomatte aufgebaut, Schlafsack ausgerollt, noch vom abenteuerlichen Weg erzählt, und dann ab ins Bett. Wir hatten viel vor, in den nächsten Tagen.

 

Das Essen haben wir uns selbst zubereitet. Es regelte sich einfach so, einer spülte, einer kochte, einer deckte den Tisch, einer räumte ab. Es war wunderbar, der Gemeinschaftsgedanke in Pär's Sinne hat von Anbeginn gelebt- und wurde gepflegt. Welch erfüllendes Gefühl. Wir waren füreinander da. Alle. Einfach so.

 

Der Rahmen war also gesteckt, und nun durfte die Inhaltliche Arbeit beginnen.

 

Pär kam zu uns, innerhalb der nächsten 5 Tage immer nach dem Frühstück. Wir haben gemeinsam an verschiedenen anthroposophischen Themen gearbeitet. Eines ergab das andere.

 

Zunächst stellte er uns die Schule vor: Alle Klassenzimmer sind einzelne Gebäude, eingebettet in ein Stück Wald, auf einem Hügel.  Es bleibt das Gefühl: Es ist genügend Platz für alle da. Die verschiedenen Häuser sind aus Lehm gebaut. Die rund 140 Schüler, die die Solvikskolan besuchen, haben es gut. So viel Platz, so viel Natur. Durch die verschiedenen Möglichkeiten, sich auf dem Schulgelände zu bewegen, kommen alle auf ihre Kosten. Es gibt einen Garten, Bienen, Es gibt den Wald.

 

Und eine wichtige Information: Ein Teil der Ostsee, ganz in der Nähe. Wie fein. Wir konnten jeden morgen baden. Es dauerte nicht lang, da fielen die Hüllen. Das kalte Wasser auf der Haut, jeden Morgen, was für ein guter, frischer Start in den Tag. Zumindest für einige von uns. Und es wurden immer mehr... :)

 

Im Laufe der Tage wurden wir nicht nur von Anne und Pär durch inhaltlich sehr wertvolle Gespräche geführt, wir hatten auch genügend Raum für Eigenarbeit, und dafür, das Gehörte mit den eigenen Gedanken zu den verschiedenen Themen zu verknüpfen, zu erweitern, zu beleben. Selbstverantwortlich haben wir uns Gedanken gemacht, zu Themen wie:

 

-       Was bedeutet für mich Waldorfpädagogik?

-       Wie ist es möglich, eine wertschätzende Gemeinschaft zu leben?

-       Was meinen wir, wenn wir vom „Ich“ sprechen (Die Frage vom Ich und der Aufmerksamkeit)

-       Was bedeutet Sympathie/ Antipathie?

-       Freiheit und Liebe und Angst

-       Der ätherische Christus

 

Und weil das ziemlich viel Gedankenarbeit war, die unsere Aufmerksamkeit sehr gefordert hat, haben wir zwischenzeitlich auch etwas für unseren Leib getan: Eurythmie mit Pär. Das war eine sehr interessante Erfahrung. Wir haben einerseits Eurythmie im Raum gemacht, die uns wieder sehr zu uns selbst gebracht hat, nach all den gedanklichen Höhenflügen. Und wir haben Eurythmie im Außen gemacht, in der Natur. Im Garten. Wir haben Eurythmie für Bäume gemacht, für Bienen, für Blumen. Und für ein verstorbenes Mädchen. Das war sehr intim, ich möchte es aber genau aus diesem Grund erzählen, denn es war ein ganz besonderes Gefühl, der Welt etwas zurück zu geben. Der Natur, und auch der geistigen Welt. Die Gemeinschaft bildet sich nicht, sie ist bereits da. Wir müssen sie nur pflegen...

 

Abgerundet wurde unsere Abschlussfahrt nach Järna durch verschieden Besichtigungen. Einerseits haben wir das anthroposophische Zentrum in Järna besucht, mit einem Cafe, einem kleinen Bioladen und einer Gärtnerei. Der Weg dorthin war traumhaft, und bot viel Raum für Austausch und Gespräche. Es blieb gefühlt keine Minute ungenutzt.

 

Und andererseits hatten wir das Glück (Dank Cornelia und ihrer Organisation vorab), einen kleinen Waldorfkindergarten in der Nähe der Schule besuchen zu dürfen. Das war für uns angehende Waldorferzieher/innen natürlich sehr spannend. Ein kleiner Kindergarten, eingebettet in die Natur Schwedens, mit Schafen und Beeten, mit Garten und einem grossen Herz für Familien. Kathy und Holger haben sich nicht nur unheimlich viel Zeit für uns und unsere Fragen genommen, sie haben uns auch „bebacken“ und mit leckeren Getränken versorgt. Und wer wollte, konnte ein hauseigenes Lammfell erwerben.

 

Und es bleibt die Frage: Warum eigentlich nicht einmal anders denken? Warum nicht, zumindest einen Ansatz des Gedankengutes, der Innovativen Ideen von Waldorfpädagogik, die sowohl im Kindergarten, als auch in der Solvikskolan leben, auch hier bei uns umsetzen? Und das bedeutet nicht, dass es keine Schwierigkeiten und Konflikte gibt. Nein, auch das darf in Järna leben. Und dann landen wir schnell wieder bei Grundsatzfragen: Wie steht es um unsere eigenen Ängste? Wie frei sind wir eigentlich? Was genau bedeutet denn nun die Waldorfpädagogik für uns?

 

Und somit war unsere Reise nach Järna in Schweden eigentlich gar keine Abschlussfahrt, sondern eine absolute „Beginnerfahrt“.

 

Und der Rückblick sagt (was war uns wichtig):

 

„Die Anzahl der kleinen, zwischenmenschlichen Dinge, die wertvoll und kräftigend sind.“

 

„Der Raum wirkt. Wenn all das schon so auf uns wirkt, wie mag es denn dann erst auf die Kinder wirken?“

 

„Die Art der Menschen, die wir kennengelernt haben. Pärs Art. Beeindruckender Kindergarten. Lust am Mitarbeiten.“

 

„Gemeinschaft – Bewegung – Anregung: Davon können wir lange zehren“

 

„Abwechslung in der Gruppe. Die Tiefe der Themen, der Humor (z.B. beim Kochen). Die Schule. Das Erleben von unheimlich vielen, schönen Sachen.“

 

„Es tut gut zu sehen, was möglich ist, wenn Gleichgesinnte zusammen kommen. Die Atmosphäre in der Gemeinschaft. Das Grosse Ganze.“

 

„Inspiration. Impulse. Das setzt neue Kräfte frei. In die Welt in Schweden eintauchen können. Als Vorschlag: Mehr Zeit?“

 

„Die Offenheit der Gruppe, persönliche, tief gehende Gespräche.“

 

„Eine gefüllte, reiche Zeit. Durch Pär und seinen Schatz der Pädagogik eine Idee zu bekommen, was Waldorfpädagogik heißen kann, und dass sie etwas Großes ist. Den Segen des Schwierigen zu erkennen, Begriffe zu durchdringen“

Anne Klotzsch